Weinprobe Barolo / Barbaresco
am 29.10.10 hatten wir sieben Weine aus dem Barolo und Barbaresco Gebiet geöffnet, um nach dem derzeitigen Stand zu sehen.
Die Weine wurden unterschiedlich lang geöffnet, manche dekantiert, manche nicht. Ebenso wurden sie blind getrunken und mit zufälliger Reihenfolge.
1. Barolo Riserva 1971, Borgogno
Aus der Flasche kam ein dünner Saft, der farblich an ein schlecht gemischtes Cola Mix erinnerte. Zu riechen war nichts mehr, am Gaumen noch Noten von altem, schlechten Sherry. Der Wein war leider nicht mehr genießbar. In der leeren Flasche dann viele braune Rückstände, die an die abgezogenen und dann nass gemachten Blätter von alten Zigarren erinnerten.
Der Wein lagerte nicht bei mir im Keller, sonder wurde erst vor 14 Tagen gekauft.
2.Barolo "Cicala" 1998, Aldo Conterno
Ins Glas floss ein ziegelroter, leicht trüber Wein. In der intensiven Nase balsamische Noten, auch Waldboden und Pilze (wirkt schon sehr reif).
Am Gaumen dann Alterstöne, eine spürbare Säure, wenig Tannin, eine mittlerer Körper, keine klare Frucht, etwas Leder und leichte Sherrynoten.
Ein ausgewogener Wein mit mittlerem Abgang, der seinen Höhepunkt für mich überschritten hat.
15,9 / 88 Punkte (für den Preis eher eine Entäuschung)
3. Barbaresco Riserva "Rio Sordo" 2001, Produttori del Barbaresco
Ein eher rubinroter, Wein der in der Nase für mich Röstaromen, Rauch und sogar etwas verbrannten Gummi hat, was so gar nicht zu den Weinen der Produttori passt. Die Nase gefiel mit also gar nicht.
Am Gaumen dann eher dunkle Frucht, spürbares Tannin und Säure, leicht bitter, ein ordentlicher Körper, aber auch hier leichte Rauch und Röstaromen.
Der Wein hat einen langen Abgang, ist aber etwas sperrig, deutlich zu jung und macht derzeit wenig Spaß.
15,6 / 87 (ich weiß nicht, ob das noch was wird, auch eher enttäuschend)
4. Barolo "Colonnello" 1997, Aldo Conterno
Ein ziegelroter, leicht trüber Wein der nach Unterholz, Trüffel und Waldboden roch.
Am Gaumen ein mittlerer Körper, wenig Tannin, schön ausgewogen, Kirsche und auch schon sehr reif.
Ein Wein, der durchaus Spaß macht, aber seinen Höhepunkt auch schon erreicht hat und deutliche Reifetöne aufweist.
17,0 / 91 (PGV überzeugt auch hier nicht)
5. Barolo "Acclivi" 2006, C.B. Burlotto
Ein hell rubinroter, sehr klarer Wein, der sehr fruchtig nach Kirsche und Pflaume roch.
Am Gaumen dann junges, kräftiges Tannin, ein kräftiger Körper, dunkle Frucht, Pflaume,
Insgesamt schon gut zu trinken, mit einem langen Abgang und ordentlich Potential.
16,6 / 89 (der Wein hat allen gut geschmeckt)
Dieser Wein gab Anlass zu Diskussionen, da ihn meine Mitverkoster eher als gefälligen, weichen und dann eher modernen Barolo sahen und auch ich hätte ihn so nicht als klassischen Barolo beschrieben. Die Verwirrung war groß, als ich sagte, dass das ein sehr klassisch arbeitendes Weingut ist und Andreas März den Wein sehr gut bewertete.
6.Barbaresco "Basarin" 2005, Moccagatta
Ein rubinroter Wein intensiv, frisch, leicht ätherisch und sehr angenehm roch.
Am Gaumen Kirsche, spürbares Tannin, mittlerer Körper, sehr elegant mit einer Präsenten Säure.
Ein junger Wein mit langem Abgang, der jetzt schon viel Spaß macht, aber noch ausreichend Potential hat.
16,7 / 90 (eleganter Barbaresco, der so ist, wie er sein muss)
7.Barolo "Parafada" 1996, Massolino - Vigna Rionda
In der Nase Pflaume, Minze, Unterholz, ätherische Aromen und Trüffel.
Am Gaumen spürbares, aber sehr angenehmes Tannin, milde Säure, rote Beeren, ein kräftiger Körper und sehr ausgewogen.
Ein schmeckbar älterer Wein mit langem Abgang, der aber absolut fit ist und auch noch weitere Reifezeit gut überstehen wird. Ein sehr schöner Barolo und für mich klar der Sieger des Abends.
17,3 / 92 (wunderbarer Barolo, bei dem das PGV auch passt)
Das war sie also, unserer herbstliche Nebbiolo Probe, die großen Spaß gemacht hat. Enttäuscht haben mich leider die beiden Weine von Aldo Conterno, die zu reif waren und für das gezeigte deutlich zu teuer. Ein 1999 Basisbarolo hatte mich letztens auch nicht begeistert. Leider ist meine Erfahrung mit den Weinen von Aldo Conterno übersichtlich, aber ich würde mir hier deulich mehr erwarten.
Massolino zeigte wieder, dass auf dieses Weingut immer Verlass ist.