Reisebericht von Klaus am 02. Mai 2010
Piemont 2010
Nach unserem gelugenem Kurztrip nach Venetien und Trentino in 2009, hatten wir schon die nächtse Reise vereinbart. Diese sollte einen Tag länger dauern und ins Piemont gehen.
Am Donnerstag, den 22. April war es dann tatsächlich so weit. Massimiliano, Christian und Klaus starteten um Punkt 6.00 Uhr Richtung Italien. Um 8.00 Uhr gab es eine kleine Cappucino Pause in Sterzing, um 14.00 Uhr gab es einen Mittagssnack am Autogrill in Piacenca und um 13.30 Uhr haben wir die Autobahn in Asti für die letzten paar Kilometer nach Alba verlassen. Die Anreise war schon mal völlig problemlos gelaufen.
Um 14.15 Uhr waren wir schon bei der Besichtigung des Hauptsitzes von Ceretto am Stadtrand von Alba. Wir wurden von einer Amerikanerin, die dort die englischsprachigen Führungen macht, durch die Fasskeller, die Barriquekeller und das Flaschenlager geführt. Danach ging es in den Probierraum. Probierraum ist hier nicht das richtige Wort, aber ich weiß nicht, wie ich es sagen soll. Er hatte die größe einer New Yorker Bar, modern eingerichtet mit mehreren Nischen für die Proben und links und rechts dann tatsächlich jeweils eine Bar.
Eine dieser Nischen war für uns drei mit den entsprechenden Gläsern und etwas Knabbereien gedeckt. Unser Blick viel aber lange nicht auf diesen gedeckten Tisch, da der komplette Probieraum eine gläserne Front hatte, die den Ausblick auf die Weiberge und die Lanschaft des Piemont freigab. Dieser Anblick gleich am Anfang unserer Reise war schon mal überwältigend. Gut, jetzt gab es Wein zu probieren. Da Ceretto aber verschiedene nicht italienische Weine distribuiert, begannen wir unsere Weinprobe mit einem Champagner und drei sehr guten Pinot Noir aus dem Burgund. Nach den zwei Barbaresco und drei Barolo von Ceretto beendeten wir die Verkostung und fuhren auf das Barolo Weingut von Cerreto, Bricco Rocche, in dem wir die komfortablen Gästezimmer nutzen und unsere erste Nacht verbringen durften.
Auf Bricco Rocche besichtigten wir auch erst den gesamten Keller um uns dann kurz für das Abendprogramm auszuruhen. Um 20.00 Uhr waren wir in einem zwei Sterne Lokal in Alba, dem Piazza Duomo, eingeladen. Da sich Bruno Ceretto den ganzen Abend zu uns gesellte, durften wir auch viele Geschichten aus dem Piemont hören. Es gab ein 8 Gänge Menü, das sich ungefähr so las:
- Diverse kleine Leckereien
- Oktopus im Glas
- Salat "41 Kräuter"
- Scampi mit Speckstreifen und Gemüse
- Kanninchen auf Fruchtspiegel, mit Gemüse und Meeretichschaum
- Kalbsfilet mit Spargel und Salat
- Käse Castelmagno (nur mit Barolo)
- Halbgefrorenes mir Rhabarberstreifen
Zu trinken gab es erst einen Champagner Rose, dann einen Barbaresco Bernadot 1999 und dann einen Barolo Bricco Rocche 2004.
Nach dem Essen durften wir noch die Küche besichtigen, um dann satt und fasziniert, per hauseigenem Chauffeur, in unsere Zimmer auf Bricco Rocche gefahren zu werden. Ein gigantischer erster Tag gin zu Ende.
Nach einer ruhigen Nacht mitten in den Weinbergen, packten wir unsere Kofferund verließen Bricco Rocche um 9.00 Uhr Richtung Serralunga, wo wir um 9.30 Uhr in einer kleinen Bar Cappucino und Brioche zu uns nahmen.
Um 10.00 Uhr wurden wir bei dem Weingut Vigna Rionda der Familie Massolino erwartet. Da das Wetter leider nicht mitspielte und es fast den ganzen Tag regnete, verzichteten wir auf einen Gang durch die Weinberge.
Wir wurden durch die Keller und das Gut geführt, das gerade in Bauarbeiten steckt, bevor wir uns in die Probierstube zurückgezogen haben. Hier probierten wir die ganze Palette, der sehr guten Weine von Massolino. Es gab Chardonay, Dolcetto, zwei Barbera, Nebbiolo, einen Barolo und drei Einzellagenbarolo.
Nach dem wir uns um ca. 12.30 Uhr verabschiedet hatten, war der Hunger groß und wir aßen in der Trattoria des Weingutes Schiavenza zu mittag. Es gab die typisch piemontesischen Vorspeisen, Vitello Tonnato, Salat Russa, Carne Cruda und dann gemischte Pasta, wie Agnolotti con Ragu und Tajarin.
Obwohl wir bei Massolino nicht viel ausgespuckt hatten, wollten wir auf einen Wein zum Essen nicht verzichten und tranken einen Nebbiolo d´Alba des hauseigenen Weingutes, der gut passte.
Dann mussten wir uns beeilen, da wir das Barolo Gebiet verlassen mussten, um über Alba nach Barbaresco zu fahren. Hier hatten wir um 15.00 Uhr einen Termin bei Gaja bekommen, den wir gerade rechzeitig erreichten.
Mit dem dem Vertreter für den Verkauf an die italienische Gastronomie, der uns die Besichtigung ermöglicht hatte, und drei weiteren Gästen wurden wir von Fr. Lucia Gaja empfangen und von der jüngeren Tochter Rossana durch das Weingut geführt. Der italienischen Führung durch Rossana konnten wir natürlich, trotz zwischenzeitlicher Übersetzung durch Massimiliano, nur wenig folgen.
Es ging durch den Fasskeller, die diversen Barriquekeller unter der Hauptstraße Barbarescos hindurch in das Haupthaus. Hier sollte ein kleines, sehr exclusives Hotel entstehen, bevor man sich kurz vor der Fertigstellung wieder anders entschied. Fotogalerien, Kunstobjekte und der Ausblick auf den herrlichen Innenhof warteten auf uns.
Jetzt war es Zeit ein paar Weine zu probieren. Wir wurden in einen modernen Probenraum geführt, in dem alles perfekt vorbereitet war.
Es gab folgendes zu probieren:
- Muscadet Sur lie (Erzeuger unbekannt)
- Margari 2006, Ca`Marcanda
- Brunello Sugarille 2005, Pieve Santa Restituta
- Barbaresco 2004, Gaja
- Sperss 1989, Gaja
- Barbaresco 1961, Gaja
- Pedro Ximenez 1927 (Erzeuger unbekannt)
Dann kam Angelo Gaja zu uns, ließ eine Flasche Champagner öffnen und diskutierte mit den italienisch sprechenden Anwesenden über Gott und die Welt. Massimiliano erzählte uns dann am Abend, um was es alles ging, da zwischenzeitliche Übersetzungen, bei der Sprachgeschwindigkeit von Angelo, nicht möglich waren. Bruchstücke, wie die Antwort auf die Frage, warum Gaja Bordeauxflaschen für seine Topp Weine bevorzugte, verstanden wir. Angelo Gaja redete über Barbaresco, die Weine des Piemont, den Tourismus und dann über Politik. Christian und ich nutzten die Zeit, um alle eingeschenkten Weine in Ruhe auszutrinken
.
Um 18.15 wurden wir mit einem Buch über Sori San Lorenzo, dass wir uns noch signieren ließen, freundlich verabschiedet.
Den Besuch werden wir auf alle Fälle niemals vergessen.
Jetzt ging es wieder nach Alba, wo wir unser einfaches, aber mitten in der Stadt gelegenes Hotel suchten und unsere Zimmer bezogen. Es war nur kurz Zeit für die Dusche, da wir um 20.30 Uhr einen Tisch in der Osteria Lalibera bestellt hatten.
Das Lalibera, mitten in Alba, ist eine modern eingerichtete Osteria, die uns mehrfach empfohlen wurde. Dort angekommen hatten wir zwei Probleme. Erstens ging es Massimiliano nicht gut und er musste sich nach einer Suppe und ohne Wein in sein Zimmer zurückziehen, um sich "gesund zu schlafen". Das zweite Problem, dass Christian und ich hatten, war folgendes:
Es gab keine Weinkarte.
Es gab ein Weinbuch, dass alleine ca. 50 verschiedene Barolo aufgelistet hatte. Was sollten wir hier nur bestellen.
Da auch wir müde waren, aßen wir Antipasti und Fleisch, dass alles sehr gut schmeckte, und beließen es bei einer Flasche Barbaresco Ovello, der Cantina del Pino. Nach einem Espresso und dem Grappa, der natürlich sein musste, gingen wir recht früh zum Hotel.
Wir konnten dann aber doch nicht ohne Abschlußbier ins Bett, so dass wir noch in die Bar "Cafe Savona", direkt bei unserem Hotel gingen und uns ein Bier bestellten. Da wir aber den wunderbaren Tag erst noch aufarbeiten mussten, gab es noch ein zweites Bier und danach noch ein Gläschen Rum (musste das wirklich noch sein
).
Am nächsten morgen wachte ich wieder von selbst auf und war absolut fit. Nur Christian sprühte noch nicht vor Elan, da er am Vortag alle Probengläser leeren musste. Das Entscheidende war jedoch die Frage "Wie geht es Massimiliano ?", denn sollte es im weiter schlecht gehen, müssten wir unsere Reise beenden.
Massimiliano stand jedoch pünktlich um 9.00 Uhr vor der Zimmertüre und meldete Hunger an. Es ging im gut und wir begannen den Tag, wo Christian und ich ihn beendet hatten, im Cafe Savona. Hier probierte ich jetzt einen "biccerin", von dem ich in diversen Büchern über das Piemont gelesen hatte. Es war eine Spezialität aus Turin, eine Mischung aus Kaffee und Schokolade bzw. Nuss. Da der biccerin mit für mich deutlich zuviel Sahne serviert wurde, hakte ich es auf meiner "to do Liste" ab und bestellte wie die beiden anderen, Cappucino und das obligatorische Brioche.
Nun ging es wieder quer durch Alba nach Barbaresco, wo wir eine kleine Runde durch den Ort drehten, um den Turm gingen, die Verkaufsstelle der Cantina Produttori und die Enoteca Regionale besuchten, das wir am Vortag nicht geschafft haben.
Um 11.00 Uhr besichtigen wir das Weingut Moccagatta, durch das uns Hr. Minuto, einer der beiden Besitzer führt. Wie alle anderen Weingüter, die wir hier im Piemont besichtigen durften, war es sehr gepflegt. Die Barriquekeller waren teilweise erst 2003 neu gebaut worden. Danach ging es wieder zur Weinprobe, bei der wir die Barbaresco Bric Balin und Basarin aus 2003, 2005 und 2007 verkosten durften.
Zum Schluß ging Hr. Minuto noch mal in den Keller und öffnete eine Flasche Bric Balin aus 1990 für uns, die richtig Spaß machte. Als wir die Kellerei verließen, war es 13.00 Uhr und endlich schien die Sonne.
Jetzt war es wieder Zeit für ein Mittagessen, dass wir in Treiso in der Trattoria "Risorgimento" einnahmen. Die Trattoria war um13.30 Uhr bis auf den letzten Platz besetzt, wir konnten dank der Überzeugungsarbeit von Massimiliano aber noch einen kleinen Tisch für uns drei ergattern. Das Essen war ausgezeichnet und wurde durch eine Flasche Barbaresco der Produttori begleitet.
Um halb drei brachen wir wieder auf, da wir heute ja noch einiges von der Landschaft und den Dörfern im Barolo Gebiet sehen wollten, also wieder durch Alba Richtung Barolo.
Wir begannen mit Barolo selbst, besichtigten die Enoteca Regionale, die Festtung Barolo und wanderten etwas durch das Dorf. Natürlich galt unser Blick auch immer den bekannten Weinlagen, hier zum Beispiel Canubi. Bei einem Espresso stellen wir fest, dass die vielen Touristen fast auschließlich Barolo selbst besuchten, die anderen Gemeinden des Gebietes eher weniger.
Nun ging es nach Grinzane Cavour, die Burg des Camillo Benso Conte de Cavour besuchen, wo ebenfalls eine Enoteca Regionale untergebracht ist. Danach machten wir jeweils einen kleinen Rundgang durch La Morra, Castiglione Falletto, Serralunga und besichtigten wieder Weinlagen, wie Brunate, in der auch die berühmte bunte Kapelle steht.
Um ca. 19.00 Uhr waren wir wieder in unserem Hotel in Alba, wo wir eine Stunde zum regenerieren hatten, bervor wir zum Abendessen in den "Enoclub" gingen. Der obere Teil des Enoclub war eine moderne Osteria mit einer Mischung aus Club, Trattoria und Weinbar. Natürlich gab es vor dem Besuch des Enoclub einen kleinen Aperitiv, in Form eines Spumante von Bruno Giacosa, auf der Piazza in Alba.
Im Enoclub gab es dann folgende Speisen, die wir uns teilten:
- Oktopuss vom Grill
- Stockfischtartar
- Sardinen auf Büffelmozarella
- Clubsandwich speziale
- Gnocchi al salssicia
- Costata di Vitello
- Formaggi misti
Dazu gabe es eine Flasche Barolo 2004 von Massolino, eine Flasche Barolo 1998 von Roagna und dann noch jeweils ein Glas Barbaresco Riserva Moccagatta von Produttori.
Nach dem wir das ausgezeichnete Essen bezahlt hatten, bemängelte Massimiliano, dass wir zu viel Trinkgeld gegeben hatten und wollte noch einen Abschlußgrappa auf das Haus.
Das war ein Fehler.
An dem sehr guten Grappa Bric de Gaian von Berta war zwar nichts auszusetzen, aber die eingeschenkte Menge, die eher vier, als einem Grappa entsprach, forderte uns ganz schön.
Um Mitternacht verlassen wir den Enoclub und gehen noch fast eine Stunde durch das nächtliche Alba, bevor wir müde ins Bett fallen. Da Massimiliano am Sonntag nachmittag zuhause sein musste, ging es schon um 7.00 Uhr Richtung Deutschland. Natürlich gab es vorher noch Cappucino und Brioche.
Massimilano spricht zwar vor der Fahrt von gelegentlichen Fahrerwechsel, ist aber so fit, dass er die Strecke durchfährt. Natürlich gibt es ein paar kleine Espresso und eine Pannini Pause, aber wir treffen nach absoluter freier Strecke um 14.00 Uhr in Mühldorf ein.
Auf der Heimfahrt sprechen wir wieder darüber, wo es nächstes Jahr hingehen soll. Das Veltlin ist ein Thema, aber auch die Toskana. Gesprochen wird aber auch von einer zweiten Reise ins Piemont, mit dem Besuch anderer Weingüter.
Ich bin dabei 
Für alle, die Landschaften lieben und gerne Essen, ist das Piemont zu empfehlen, für alle, die sich für Wein interessieren ist es absolut zu empfehlen und für alle, die gerne Essen und im speziellen auf die Rebsorte Nebbiolo "stehen" ist diese Reise absolutes Pflichprogramm.
Unser Dank gilt nochmal Massimiliano, der die komplette Organisation übernommen hatte, und ohne den diese Reise so nicht möglich gewesen wäre.
Grazie mille, Massimilliano 